Intelligente elektronische Ticket-Lösungen: So machen’s die anderen

Intelligente elektronische Ticket-Lösungen sollen künftig dafür sorgen, dass Fahrgäste den Öffentlichen Nahverkehr flexibel und spontan nutzen und einfach ihr Ziel erreichen. Dadurch wird der Verkehr von der Straße stärker auf öffentliche, umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert. National und international sind bereits verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Tarifmodellen im Einsatz.

Einige von ihnen sehen eine automatische Berechnung des Fahrpreises nach der Fahrt vor. Hier eine kleine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

CheckIn/CheckOut beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar

Ende 2016 hat die Deutsche Bahn ihr Handy-Ticketsystem Touch & Travel eingestellt. Die Technologie dahinter wird aber nach wie vor genutzt. Einige Verkehrsverbünde und – unternehmen zur haben es in ihre Systeme und Apps integriert. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) beispielsweise startete Anfang 2017 mit ticket2go eine App, bei der es sich um den technischen Nachfolger von Touch&Travel handelt. Bei diesem CheckIn/CheckOut-System wird im gesamten VRN und z.T. auch darüber hinaus nach Luftlinien-Kilometern abgerechnet. Nach Registrierung in der ticket2go-App erfolgt die An-und Abmeldung unkompliziert mittels Smartphone. Mit eTarif verfügt der Verbund über ein weiteres CheckIn/CheckOut-System, das auf einer neu entwickelten Technik basiert. Bei dieser rein verbundweiten Lösung gilt ebenfalls der Luftlinientarif zudem ist über die e-Tarif-App auch eine Fahrplanauskunft möglich.

Fahrpreisermittlung nach dem Baukastenprinzip

Seit April 2016 können Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) ein neues Tarifsystem testen: RMVsmart

Mit 30.000 Testkunden über einen Zeitraum von drei Jahren gehört dieser Test zu den deutschlandweit größten Pilotversuchen eines innovativen Entfernungstarifs. Bei RMVsmart richtet sich der Preis nach der Reiseweite und den für die Fahrt genutzten Verkehrsmitteln, die der Fahrgast im Voraus auswählt. Die dazugehörige App berechnet die konkrete Verbindung nach einem Baukastenprinzip. Über die App erhält der Fahrgast sein Ticket für die Verbindung vor der Fahrt. Es gilt ein einheitlicher Grundpreis pro Fahrt – für alle Verkehrsmittel. Für Fahrten mit Regionalzügen, S-Bahnen und U-Bahnen wird zusätzlich ein Entfernungspreis für die zurückgelegte Fahrstrecke berechnet. Bei Fahrten mit Bussen oder Straßenbahnen kommt zum Grundpreis ein Pauschalpreis hinzu. Der orientiert sich an der Größe der Orte, die durchfahrenen werden.

Mit der Guthabenkarte durch London und in den Niederlanden unterwegs

In London kommen Fahrgäste mit der elektronischen Oyster Card mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B. Die Karte wird vorab mit einem Guthaben aufgeladen. Bei Fahrten in Bussen gilt ein Pauschalpreis. Die Oyster Card wird beim Einsteigen an den Kartenleser gehalten und mit dem einheitlichen Betrag für eine Busfahrt belastet. Bei Fahrten mit Bahnen muss der Fahrgast die Karte sowohl beim Eintritt in die Station oder Haltestelle als auch beim Ausgang an ein Kartenlesegerät halten. Dabei wird der Fahrpreis anhand des Start- und Zielbahnhofs ermittelt.

In den Niederlanden wird für Fahrten im Öffentlichen Nahverkehr die OV-chipkaart verwendet. Sie regelt den elektronischen Zahlungsverkehr und die Zugangsberechtigung für zugangsbeschränkte Bereiche in Zug- und Metrostationen. Die Karte muss vor Fahrtantritt mit einem Geldbetrag oder mit einem geeigneten Reiseprodukt, z. B. einem Abonnement, aufgeladen werden. Jeder Fahrgast muss sich mit der Karte beim Einsteigen, Umsteigen und Aussteigen auf jeder Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Kartenlesegeräten ein- und auschecken. Diese stehen an jeder Bus- oder Bahnhaltestelle am Ein- oder Ausgang oder auf den Bahnsteigen. In Bussen und Straßenbahnen befindet sich das Kartenlesegerät im Innenraum des Fahrzeugs. Beim Auschecken wird angezeigt, wie viel die Fahrt gekostet hat und welcher Saldo noch übrig ist.

Mit einem Wisch immer das richtige Ticket

Die Verkehrsbetriebe Luzern nutzen bereits ein CheckIn/CheckOut-System, bei dem die Einstiegshaltestelle mittels GPS-Ortung gefunden wird. Fahrgäste checken über die FAIRTIQ-App mit einer einfachen Wischbewegung ein und zum Ende der Fahrt mit der gleichen Geste aus. Vergisst ein Fahrgast den CheckOut am Ende seiner Fahrt, erhält er nach einer gewissen Zeit eine automatische Erinnerung. Die berechneten Fahrtkosten können bargeldlos mit der Kreditkarte oder der Swisscom-Handyrechnung beglichen werden. Die App berechnet für Fahrten an einem Tag maximal den Preis einer Tageskarte. Zudem erhalten Fahrgäste, die in einem Kalendermonat an mindestens fünf Tagen die App nutzen, eine Gutschrift in Höhe von fünf Prozent auf die im diesem Monat gefahrenen Fahrtkosten.